Lohnuntergrenze - Ranking der Schlechtverdiener?
Bereits seit längerem fordern SPD, Grüne und Linke zusammen mit den Arbeitnehmerverbänden für einen tariflich festgesetzten Mindestlohn. In der Union war das Thema jahrelang war das Thema umstritten, jetzt vollzieht die Partei auf Wunsch von Kanzlerin Merkel eine Kehrtwende. Auf dem Parteitag Mitte November wolle man für die allgemeine gesetzliche Lohnuntergrenze aussprechen.
Unklar sind lediglich noch die Details und mit ihnen stellen sich viele Fragen: Wird die Regierung jedes Jahr einen Mindestlohn festsetzten? Oder soll eine Kommission, in der Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemeinsam sitzen, über den Betrag entscheiden? Für wen gilt die neue Lohnuntergrenze: Nur für Branchen, in denen es bisher keine Tarifgehälter gibt oder für alle Branchen?
In Deutschland verdienen rund fünf Millionen Menschen weniger als 8,50 pro Stunde. Die Faktenlage ist erschreckend: die deutsche Wirtschaft beschäftigt ein Heer von Niedriglöhnern. Einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung zufolge bekommen 1,2 Millionen Deutsche pro Stunde sogar weniger als fünf Euro. Selbst bei 8,50 Euro pro Stunde kommt man nicht auf mehr als 1500 Euro Brutto.
Zu den Branchen, die besonders schlechte Löhne zahlen gehören in Deutschland das Friseurhandwerk, das Bewachungsgewerbe und das Hotel- und Gaststättengewerbe.
Wer in einer Region wie zum Beispiel Brandenburg oder Sachsen-Anhalt lebt und einer dieser Branchen arbeitet, verdient selbst mit Tarifvertrag manchmal nicht einmal drei Euro pro Stunde. Da stellt sich zu Recht für viele Menschen die Frage, ob es sich in einem der reichsten Länder der Welt bei solchen Löhnen nicht um sittenwidrige Bezahlungen handelt.