Biosupermarkt: Faire Produkte, unfaires Gehalt?
Die Gewerkschaft Verdi wirft den Berliner Biomärkten vor, ihren Angestellten zu wenig Geld zu bezahlen. Selbst in den Märkten von Rewe, Aldi, Kaufland oder Lidl würden angeblich bessere Stundenlöhne gezahlt. Die Bio-Einzelhändler reagieren mit dem Verweis auf Sonderzahlungen, mehr Urlaub und Einkaufsgutscheinen.
Die Kritik orientiert sich vor allem an der Praxis der Berliner Supermarktkette Bio Company. Eine Aushilfe, die dort befristet beschäftigt ist, bekommt nur 7,50 Euro brutto pro Stunde, Festangestellte erhalten rund 9 Euro. Zum Vergleich: Eine gelernte Kassiererin müsste nach Tarif einen Bruttostundenlohn von 13,50 Euro erhalten, eine ungelernte Kraft bekommt im Schnitt gut 9 Euro im ersten Berufsjahr.
Doch das Problem sei nicht nur das Geld, so Verdi-Einzelhandelsexpertin Janet Dumann. Es gibt auch Klagen über nichteingehaltene Arbeits- und Ruhezeiten. Grundsätzlich sei es problematisch, wenn sich Unternehmen lediglich an die Tarifverträge im Einzelhandel orientierten.
Bio Company kontert mit dem Argument der Nicht-Vergleichbarkeit von konventionellen Discountern und Biomärkten. Selbst wenn Discounter Tariflöhne zahlen, üben sie starken Druck auf ihre Lieferanten aus, um hier mithilfe geringer Einkaufspreise höhere Margen zu erzielen, so die Geschäftsführer Georg Kaiser und Hupert Bopp. Außerdem würden Mitarbeiter oft aufgrund hoher Leistungsvorgaben unter Druck gesetzt.
Als regionales Unternehmen sei die Bio Company mit seinen ungefähr 900 Mitarbeitern und26 Märkten in Berlin und Umland lediglich im regionalen Kontext in der Lage „die Kraft auch für seine Lohnzahlungen zu erwirtschaften.“ Seit Anfang des vergangenen Jahres seien die Löhne im Schnitt sogar um rund 11 Prozent angehoben worden. Auszubildende und Vollzeitkräfte würden darüber hinaus Einkaufsgutscheine in Höhe von 50 Euro erhalten. Damit leiste man nicht nur etwas für die ökologische, sondern auch für die soziale Verantwortung.
Auch der Bio-Händlers Alnatura reagiert prompt: die rund 1740 Mitarbeiter erhalten dort ein Einkommen, dass sich an den bundesweiten Tarifverträgen des Einzelhandels anlehnt, oft würden die Einkommen sogar darüber liegen. Zudem erhalten die Beschäftigten jährlich einen Einkaufsgutschein von bis zu 1000 Euro. Für Vollzeitbeschäftigte gäbe es darüber hinaus ein Urlaubsgeld von 1200 Euro und Alnatura-Mitarbeiter haben bei einer 6-Tage-Woche sogar 36 Urlaubstage.
Derzeit gibt es nach Angaben des Bundesverbands Naturkost Naturwaren bundesweit gut 2400 Biosupermärkte und -läden. Die meisten von ihnen sind von den Inhabern geführt. In den vergangenen Jahren hat die Anzahl der Betriebe stets zugenommen, was laut Verdi den Wettbewerbsdruck auch in Zukunft deutlich steigern wird.