Studie: Russland-Sanktionen gefährden 2.000.000 Jobs in der EU
Durch die Sanktionen der Europäischen Union (EU) gegen Russland, Gegensanktionen und Folgeeffekte sind nach einer neuen Studie bis zu 2 Millionen Jobs in der EU und in der Schweiz in Gefahr. Am stärksten Betroffen ist Deutschland.
Ökonomen des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (Wifo) haben im gemeinsamen Auftrag mehrerer großer europäischer Zeitungen berechnet, wie sich der Streit mit Russland und die Sanktionen auswirken. Demnach stehen allein in Deutschland mittelfristig bis zu 500.000 Jobs und 27 Milliarden Euro an volkswirtschaftlicher Wertschöpfung auf dem Spiel.
Ob gut begründet verhängt oder nicht: Offenbar bewirken die Sanktionen laut Medienberichten nicht das Bezweckte. So berichtet die Welt, die Sanktionen "gegen russische Privatpersonen sind fast wirkungslos" in "Russland selbst verpuffen die Sanktionen dagegen regelrecht" ergänzt Yahoo!Nachrichten.
Das hatte Gary Clyde Hufbauer, ein Spezialist für Wirtschaftssanktionen gegenüber der Zeit-Online bereits vor einem Jahr prognostiziert. Hufbauer hat insgesamt 174 Wirtschaftssanktionen seit dem ersten Weltkrieg untersucht. Über die Sanktionen gegenüber Russland, urteilte er im Juli 2014: "Es ist sehr unwahrscheinlich, dass die beschlossenen Sanktionen Putins Kurs ändern werden."
Weiter sage er vorher "… dass es sicher vier Jahre dauern wird, bis das mit den Sanktionen einhergehende Klima sich verändert. Dann wird es neue Regierungen in den USA und Europa geben." Und er begründet: "Regierungschefs, die Sanktionen beschlossen haben, fällt es nämlich oft schwerer, sie wieder abzuschwächen."
Und tatsächlich: Vorgestern erst haben sich sich die ständigen Vertreter der 28 EU-Mitgliedsstaaten in Brüssel darauf verständigt, die Sanktionen bis 2016 zu verlängern. Wohl gemerkt, hebt das Portal heise.de hervor, nicht das gewählte EU-Parlament oder die EU-Kommission.
Besonders aufschlussreich dabei ist, dass die USA ihren Handel mit Russland in der selben Zeit ausgebaut haben. Das berichtete der Spiegel vor drei Wochen. Um knapp sechs Prozent legte der Handel zwischen den beiden Ländern im vergangenen Jahr zu.
Frank Schauff, Geschäftsführer der Association of European Business in Moskau kommentierte dies so: "Die Amerikaner haben erst großen Druck auf Europa ausgeübt, harte Sanktionen zu verhängen (…) Dass sie selbst ihren Handel mit Russland im vergangenen Jahr ausbauten, ist bemerkenswert."
Wenn die Sanktionen der EU gegenüber Russland kaum wirken, die USA und Russland ihre Handelsvolumen zeitgleich ausbauen und am Ende in Europa und insbesondere in Deutschland die Wirtschaft und Jobs gefährdet werden, dann hätten die Zeitungen heute auch direkt titeln können: "Russland-Sanktionen wirken – gegen die EU".
http://www.heise.de/tp/news/EU-Mikado-Sanktionen-gegen-Russland-bis-2016-verlaengert-2715359.html
http://www.zeit.de/2014/32/sanktionen-russland-eu-usa
http://de.nachrichten.yahoo.com/russland-sanktionen-verpuffen-kosten-eu-aber-100-milliarden-045809207.html
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/russland-sanktionen-helfen-us-firmen-europa-verliert-a-1036204.html